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Plötzlich bleibt einem die Sprache weg. Ein Schlaganfall kann eine Störung an der Art wie wir sprechen verursachen und das Verstehen von Sprache erschweren. In diesem Fall kommt man vielleicht zum ersten Mal mit einem neuen Begriff in Kontakt - der Aphasie.
Was ist Aphasie?
Eine Aphasie (manchmal auch Dysphasie) ist eine Sprachstörung, die häufig nach einer Hirnverletzung vorkommen kann. Bei Betroffenen ist dann die Fähigkeit, Sprache zu verarbeiten, zu verwenden oder zu verstehen gestört. Wichtig ist zu wissen, dass eine Aphasie nur die Fähigkeit der Kommunikation und Mitteilung beeinträchtigt, aber nicht die Intelligenz.
Eine Aphasie kann bei jedem Betroffenen anders ausgeprägt sein - es kann das Sprechen, Hören, Lesen und Schreiben betroffen sein.
Wie kommt es zu einer Aphasie?
Eine Aphasie kann unterschiedliche Ursachen haben. Werden Gehirnbereiche geschädigt, die für die Sprachfunktion zuständig sind, kann es zu einer Aphasie kommen.
Bei den meisten Menschen mit Aphasie, ist das durch einen Schlaganfall passiert: ca. 80% aller Aphasien entstehen nach einem Schlaganfall.
Bei 10% ist ein Schädelhirntrauma der Grund für die Aphasie und bei den restlichen 10% entsteht die Aphasie durch Hirntumore, Entzündungen oder Sauerstoffmangel im Gehirn.

Leider ist eine Aphasie keine seltene Erkrankung. So haben über 100.000 Menschen im deutschsprachigen Raum derzeit eine Aphasie.
Welche Arten von Aphasie gibt es?
Es gibt mehrere Arten von Aphasien. Diese können sich stark unterscheiden, es kann aber auch ein Mensch eine Kombination aus mehreren Formen der Aphasie haben.
Aphasien lassen sich in folgende Typen gliedern:
Broca-Aphasie
Bei einer Broca-Aphasie hat man Probleme mit der Sprachproduktion. Das bedeutet, es fällt einem schwer die Dinge richtig zu formulieren. Das Sprachverständnis ist erhalten geblieben, man versteht andere Menschen also meist sehr gut. Selbst tut man sich aber schwer, das korrekt auszudrücken, was man sagen möchte.
Während man spricht vertauscht oder verwechselt man häufig Teile von Wörtern oder Sätzen. Es kann vorkommen, dass man Worte benützt, die es gar nicht gibt, die aber ähnlich wie bekannte Worte klingen. Man nennt diese Art zu reden auch Telegrammstil. Menschen mit einer Broca-Aphasie haben daher große Probleme sich auszudrücken und sprechen meist sehr wenig von selbst.
Wernicke-Aphasie
Bei einer Wernicke-Aphasie hat man Probleme mit dem Sprachverständnis. Die Sprachproduktion gelingt aber ohne Schwierigkeiten. Das bedeutet, dass Betroffene zwar normal sprechen können, aber das Gesprochene keinen sinnvollen Inhalt hat. Das Gesagte wirkt unverständlich und klingt verwirrend. Oft reden Menschen mit einer Wernicke-Aphasie sehr viel, doch können ihre Gesprächspartner nur schwer erkennen, was sie einem sagen wollen.
Es kommt auch vor, dass Patienten Wörter benutzen, die es gar nicht gibt. Man nennt diese Wörter in der Logopädie “Neologismen”.
Globale Aphasie
Leidet man an einer globalen Aphasie hat man Probleme mit der Sprachproduktion und dem Sprachverständnis. Daher ist das die schwerste Form der Aphasie. Menschen mit einer globalen Aphasie sind in ihrer Kommunikation sehr stark eingeschränkt. Sie können weder Gesprochenes verstehen noch korrekt sprechen. Viele können nur wenige Wörter oder Silben wie “jajaja” aussprechen.
Amnestische Aphasie
Bei einer amnestischen Aphasie haben Menschen Probleme die richtigen Worte zu finden. Daher spricht man von einer gestörten Wortfindung. Betroffene können Worte gut sprechen und verstehen, ihnen fallen die richtigen Wörter aber nicht ein. Sie benutzen oft Sätze, mit denen Sie das gesuchte Worte beschreiben. Oder sie verwenden Begriffe wie “Dings” als Platzhalter. Auch diese Form der Aphasie kann durch oftmaliges Üben verbessert werden.
Ist eine Aphasie heilbar?
Ja. Von einer Aphasie kann man sich sogar vollständig erholen. Das kann einerseits in der ersten Zeit nach einem Schlaganfall passieren, ohne dass eine Therapie dafür der Grund ist. Das gelingt, indem sich das Gehirn selbst heilt. Man spricht dabei von "Spontanheilung".
Man erreicht eine Heilung der Aphasie aber auch durch Therapie. Genauer gesagt, hilft hier die Logopädie.
Wie wird eine Aphasie behandelt?
Die wichtigste Behandlungsform bei einer Aphasie ist die logopädische Therapie. Ziel der Therapie ist es, die betroffenen sprachlichen Bereiche – Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben – gezielt zu verbessern.
Welche Übungen eingesetzt werden, hängt stark davon ab, welche Form der Aphasie vorliegt und wie schwer diese ausgeprägt ist. In der Logopädie werden unter anderem Wortfindung und Wortabruf, das Sprechen, das Sprachverständnis sowie das sinnerfassende Lesen und Schreiben trainiert. Wichtig ist dabei vor allem die Häufigkeit und Regelmäßigkeit der Therapie. Studien zeigen, dass intensives Üben – idealerweise mehrmals und mehrere Stunden pro Woche – den Therapieerfolg deutlich verbessert.
Die Aphasie-Therapie erfolgt idealerweise sowohl in Einzeltherapie als auch ergänzend durch selbstständiges Üben zu Hause. Je früher mit der Therapie begonnen wird und je besser sie an die individuelle Sprachstörung sowie an die persönlichen Ziele und Bedürfnisse angepasst ist, desto größer sind die Chancen auf Fortschritte im Alltag.
Gibt es eine Online- oder digitale Therapie bei Aphasie?
Ja. Neben der klassischen logopädischen Therapie gibt es mittlerweile auch digitale Therapieangebote, die Menschen mit Aphasie beim selbstständigen Üben unterstützen. Diese Form der Therapie eignet sich besonders als Ergänzung zur Logopädie und dient dem zusätzlichen Training von zu Hause aus. Dadurch kann die Therapieintensität erhöht werden, was die Chancen auf Genesung steigert. Für Betroffene, die gerade auf einen Therapieplatz warten oder aufgrund ihres Wohnortes und begrenzter regionaler Versorgungskapazitäten keinen Zugang zu logopädischen Einrichtungen haben, stellen digitale Lösungen oft eine wichtige Ergänzung oder sogar die einzige Möglichkeit der Aphasie-Therapie dar.
Digitale Therapie-Apps ermöglichen es Betroffenen, regelmäßig und flexibel zu üben und das unabhängig von festen Terminen oder dem Wohnort. Wichtig ist dabei, dass die Inhalte evidenzbasiert sind und sich an die individuelle Form der Aphasie anpassen. Ein umfangreicher Übungskatalog sowie Funktionen wie eine intelligente Sprachanalyse in Kombination mit direkter Rückmeldung ermöglichen es Betroffenen, selbstständig und effizient zu trainieren.
Ein Beispiel dafür ist die myReha Therapie-App. Die App wurde speziell für Menschen mit Aphasie entwickelt und erstellt auf Basis der vorhandenen Sprachfähigkeiten einen persönlichen Therapieplan. Die Übungen sind wissenschaftlich fundiert, wurden von Logopädinnen mitentwickelt, sind alltagsnah und passen sich laufend an den Fortschritt der Nutzerinnen und Nutzer an. So kann die Aphasie-Therapie sinnvoll ergänzend zur Behandlung in der logopädischen Praxis eingesetzt werden.
Mehr Informationen zu digitaler Aphasie-Therapie finden Sie im weiterführenden Artikel über Aphasie-Apps und digitale Therapieangebote, in dem die Funktionen und wichtigsten Eigenschaften von Aphasie-Apps vorgestellt werden.

Wie soll ich mit Menschen mit Aphasie umgehen?
Viele Angehörigen wollen wissen, wie sie mit einem Aphasiepatienten kommunizieren sollen. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass eine Aphasie keinen Einfluß auf die Intelligenz hat. Menschen mit einer Aphasie haben einfach Probleme mit dem Sprechen und dem Verstehen von Sprache. Für Betroffene kann es daher sehr schwer sein, weil sie sich ausgeschlossen und unverstanden fühlen. Auch wenn es nicht leicht ist, ist es daher wichtig, viel Geduld mit Aphasikern zu haben.
Hier sind einige Tipps im Umgang mit Menschen mit Aphasie:
- Geduld haben: Fordern Sie nicht zu viel und nehmen Sie sich viel Zeit, um miteinander zu kommunizieren.
- Einfach bleiben: Verwenden Sie kurze Sätze mit einfachen Worten.
- Gönnen Sie Pausen: Mit einer Aphasie zu kommunizieren kann schnell anstrengend sein. Gönnen Sie den Betroffenen etwas Zeit und Ruhe und überfordern Sie sie nicht.
- Selbst das richtige Wort finden lassen: Geben Sie Betroffenen Zeit und Raum, damit ihnen selbst das richtige Wort einfällt. Korrigieren Sie nur, wenn der Betroffene ihnen zeigt, dass er jetzt Hilfe möchte.
- Ja/Nein-Fragen verwenden: Oft kann auch nur Nicken oder ein Daumen hoch und runter zur gemeinsamen Kommunikation genutzt werden.
- Auf Augenhöhe miteinander kommunizieren: Versuchen Sie mit dem Betroffenen langsam, einfach aber normal zu sprechen und keinen kindlichen Umgang zu wählen.
- Um sich selbst kümmern: es kann schnell überfordernd sein, als Angehöriger mit einem Menschen mit Aphasie zu kommunizieren. Achten Sie auf Ruhe und Pausen, auch für sich selbst.